|
Originalbeitrag: www.jochemdouma.nl, kort commentaar, 14.8.2010
[Übersetzung aus dem Niederländischen von Heinrich Nordsieck und Aart Schoonderbeek]
Die Auslegung von Genesis 1
[JD 1][1] Einige Male wurde ich gefragt, wie es sich verhält mit meiner Exegese von Genesis 1. Ich würde Genesis 1 nicht wörtlich auffassen. Aber wenn ich das Recht habe, das nicht zu tun, warum werfe ich es dann jemandem wie Koert von Bekkum vor, dass er das Wunder von Josua 10 („Sonne stehe still, etc“) nicht wörtlich nimmt?
Meine Antwort ist einfach. Als Gläubiger und als Theologe fasse ich Genesis 1 vollständig wörtlich auf. Ich dehne die sechs Schöpfungstage nicht aus zu sechsmal Millionen oder Milliarden Jahren. Ich fasse also die Tage als „gewöhnliche“ Tage auf. Jeder, der meint, dass es um Tage von vierundzwanzig Stunden geht, findet mich neben sich. Bei der Auslegung von Genesis 1 werde ich bei keinem Teil des Textes versuchen, die moderne Wissenschaft darin zu lesen und aufgrund von Genesis 1 den Urknall (big bang) oder die Evolutionslehre zu verteidigen.
[JD 2] In einer Predigt über Genesis 1 habe ich gesagt, dass, wenn man mich bitten würde, in einer Versammlung von Biologen, Geologen, Astonomen oder welche Gelehrte auch immer sich mit dem Universum beschäftigen, über Genesis 1 zu sprechen, ich folgendes antworten würde: Nehmen Sie Ihre Frau und auch ihre Kinder mit. Denn ich habe eine Geschichte zu erzählen der auch Nicht-Wissenschaftler und selbst ihre Kinder folgen können. Der Schreiber von Genesis 1 ging von den Dingen aus, die er um sich sah. Er sah den Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit, Meer und Land, zwischen den Wassern oben und den Wassern unten. Er sah die große Vielfalt an Pflanzen, Bäume, Fischen und Vögeln. Von der Welt, die er sah und die auch wir noch täglich um uns sehen, hat er, unter der Leitung von Gottes Geist, Zeugnis abgelegt von Gottes Schöpfung.
Er begann mit der Schöpfung der noch ungeordneten Erde. Er ließ sehen dass Gott die wüste, leere und dunkle Welt in einem Kosmos veränderte, indem er schied und unterschied. Er stelle die Beschreibung der Schöpfung in einen Rahmen der durch Gott gewollten Arbeitswoche mit dem Sabbat am Ende davon. Er ließ sehen, wie planmäßig Gott diese Welt in einer Woche bewohnbar machte für den Menschen. Das alles nenne ich Auslegung von Genesis 1. Ich lasse den Text damit nach meiner Überzeugung nirgends Bauchsprechen.
Weiterhin verweise ich auf mein Büchlein Genesis (3. Auflage 2008), aus dem ich oben schon großzügig zitiert habe.
[JD 3] Wer nun behauptet, dass ich hier tue, was ich anderen verbiete, muss nachweisen dass meine Exegese nicht taugt. Ich meinte bezüglich Josua 10 zeigen zu müssen, dass die durch Van Bekkum gegebene Exegese nicht taugt. Man lese was ich darüber geschrieben habe unter die 2. „Das Verständnis der Schriften (2.8vv) und in meiner Besprechnung der Dissertation von Van Bekkum in der Rubrik Hintergrund, Punkt 2.[2] Jeder kann dort nachlesen warum ich ernste Einwände habe gegen derartige Exegesen die in der genannten Dissertation verteidigt wurden.
Der Wissenschaftler und Genesis 1
Ich wiederhole, dass ich als Gläubiger und als Theologe einer wörtlichen Auslegung von Genesis 1 anhänge und die Botschaft, die sich daraus ergibt, jedem vorhalten werde um mit mir zu lehren wer Gott der Schöpfer ist und welches der (außergewöhnliche) Platz des Menschen in Gottes Schöpfung ist.
[JD 4] Auch der Wissenschaftler ist gebunden an die Botschaft, die in Genesis 1 als Gottes Wort für jeden Menschen bereit liegt. Aber der Wissenschaftler hat auch mit dem anderen Buch zu tun, aus dem wir Gott kennen lernen: aus der Schöpfung, Unterhaltung und Regierung der ganzen Welt. Als prächtiges Buch, in dem alle Kreaturen, groß und klein, die Buchstaben sind, die uns Anschauung geben von dem, was von Gott nicht gesehen werden kann (Artikel 2. des Niederländischen Glaubensbekenntnisses).
[JD 5] Und dann scheint sich das Bild, das Meteorologen, Astronomen u.a. von der Welt skizzieren, anders zusammenzusetzen als das Bild aus Genesis 1. Schon Calvin hatte dafür ein Auge, als er in seiner Auslegung von Genesis 1 anmerkte, dass darin von zwei großen Lichtern gesprochen wird (Sonne und Mond), aber dass die Astronomen zu Recht sagen können, dass der Planet Saturn größer ist als der Mond! So wissen wir heute, dass die Sterne sich nicht an einem Firmament um die Erde befinden, aber Teile sind von eigenen „Welten“ mit unmessbaren Entfernungen von der Erde. Die Entfernungen sind so gewaltig dass wir über Millionen, ja Milliarden Jahren sprechen können von dem Werden von vielen Galaxien bis zu dem Augenblick an dem wir das Licht davon empfangen.
[JD 6] Obendrein wissen wir, dass neue Sterne sich bilden und alte Sterne zugrunde gehen. Wir wissen auch, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht, noch nicht einmal im Mittelpunkt der Galaxie in der wir wohnen. Das ist auch anders als das Bild in Genesis 1, nach dem die (alle) Sterne am Himmelsgewölbe am vierten Tag geschaffen wurden.
[JD 7] Alle diese Gegebenheiten haben nichts zu tun mit den Evolutionstheorien à la Darwin über das Leben auf der Erde. Wir haben keinen Grund, an der verlässlichen Wissenschaftsausübung zu zweifeln, die über Mittel verfügt, von denen die Menschheit bis vor wenigen Jahrhunderten nur träumen konnte. Wir müssen uns nicht von der Wissenschaft abkehren, weil über all dies nichts in der Bibel zu finden ist und Genesis 1 ein anderes Bild des Universums hat, als wir es heute haben. Der andere Brunnen der Gotteserkenntnis ist auch noch da, ohne dass wir sofort argwöhnisch sein müssten. Auch Calvin lässt das in einem kleinen Stück sehen, wie ich bereits angegeben habe.
Die Haare müssen uns auch nicht zu Berge stehen wenn der Begriff „Urknall“ fällt. Nicht allein Theologen, auch andere Wissenschaftler denken über den Zusammenhang der Dinge nach. Ihre Theorien sind Menschenwerk und sind womöglich schon bald wieder überholt.
[JD 8] Ich fasse zusammen. Als Gläubiger und als Theologe lebe ich aus der Offenbarung, die wir empfangen haben in Genesis 1, wörtlich ausgelegt. Spreche ich über das Nicht –Wörtlich-Nehmen von Genesis 1, dann denke ich an das gute Recht des Studiums des Buchs der Schöpfung, wobei (christliche) Wissenschaftler zu Schlussfolgerungen kommen, die wir sicher nicht aus Genesis 1 und anderen Teilen der Schrift ableiten können. Wir können es nicht, wir müssen es auch nicht. Wie dürfen das Bild, das Genesis 1 über das Universum gibt, ruhig neben dem modernen Weltbild stehen lassen, das uns andere Geheimnisse in Gottes majestätischer Schöpfung sehen lässt.
[1] Die Unterteilung des Textes mit Hilfe eckiger Klammern [JD ..] wurde nachträglich eingefügt, um das Auffinden von Zitatstellen zu erleichtern. Der Duktus der Darlegungen wird davon nicht beeinflusst. [2] Die Angaben beziehen sich auf Doumas Homepage www.jochemdouma.nl .
|